Onlinedruckereien vs. lokale Druckereien: Wann macht was Sinn?

Viele kleine und mittelständige Unternehmen ohne umfassende Agenturbetreuung stehen oftmals vor der Frage, welcher Druckdienstleister der geeignete ist. Dabei gibt es heutzutage eine große Auswahl auf dem Markt, unterteilbar in Onlinedruckereien und Vor-Ort-Anbieter. Dieser Artikel bietet eine Hilfestellung bei der Entscheidungsfindung und gibt einen Überblick über die wichtigsten Entscheidungskriterien für eine passende Wahl und meine Erfahrungen zu den jeweiligen Schwerpunkten.

Die unterschiedlichen Typen im Vergleich

Um die beiden Typen vergleichen zu können, habe ich die meiner Meinung nach wichtigsten Entscheidungskriterien hinsichtlich Druckereien als Grundlage genommen: Kosten, Kundenkommunikation, Voraussetzungen, (Produktions-)Qualität, Angebotsvielfalt und Reklamation.

Der Vollständigkeit halber möchte ich noch erwähnen, dass ich die meisten meiner online abgewickelten Druckaufträge über flyeralarm produzieren ließ, aber dennoch sehr viele verschiedene Anbieter im Laufe der Zeit ausprobiert habe. Die Erfahrungen waren in der Regel sehr ähnlich und sollten somit für die meisten Onlineanbieter gelten. Die Erfahrungen bezüglich Vor-Ort-Druckereien beruhen ebenso auf mehreren Anbietern und unterschiedlichen Druckereien aus meiner Region.

Kosten

Der größte Unterschied dürften vor allem die Kosten sein. Große Onlinedruckereien können es sich durch günstige Produktions- und Einkaufsbedingungen leisten, erstaunlich kostengünstige Druckprodukte anzubieten. Es kann sich allerdings trotzdem lohnen, die lokalen Anbieter zu prüfen: bei (sehr) hohen Auflagen können diese durchaus auch mal den Preiskampf mitgehen oder durch flexiblere Kalkulationsmöglichkeiten für eine Überraschung sorgen. Falls Sie beispielsweise ein Druckprodukt mit 50% einfarbigen Seiten und 50% mehrfarbigen Seiten herstellen lassen möchten, wird dies bei den Locals auch preislich berücksichtigt. Onlinedruckereien hingegen haben der Einfachheit halber oftmals nur einen Preis, egal wie viele Seiten ein- oder vierfarbig sind – man zahlt immer für ausschließlich letzteres.

Kundenkommunikation:

Die Vor-Ort-Anbieter können durch ihre geographische Nähe und persönliche Betreuung natürlich einen deutlich komfortableren Service anbieten, von der Angebotsanfrage bis hin zur Rechnungsstellung. Oftmals reicht eine kurze Mail mit den Auftragsmerkmalen und man bekommt die Kosten einfach mitgeteilt, die Druckdaten können ebenso einfach gemailed werden. Alternativ kann man sich aber auch die Zeit nehmen, und das alles bei einem persönlichen Termin besprechen. Sie haben als Kunde hier die Wahl und können flexibel agieren, je nach Umständen und Vorlieben. Onlinedruckereien müssen aufgrund der hohen Kundenanzahl diese Prozesse möglichst digital ablaufen lassen. Für Fachfremde bedeutet das oftmals verwirrende Menüs, in denen spezifische Dinge abgefragt werden: Wickelfalz, folienkaschiert, Hard- oder doch Softcover? Standard- oder Edelpapier? Genutet oder gefalzt? 180g/qm oder 350g/qm? Einfach mal so den Preis für etwas erfahren, ist also gar nicht mal so leicht, wenn das Know-How fehlt. Zwar bieten die Onlinedruckereien hier Telefonhotlines oder Chats, jedoch ist das natürlich nur ein kleiner Trost und kostet immernoch Zeit (Stichwort Warteschleifen) und Mühen.

Voraussetzungen:

Die eben schon beschriebenen Probleme der eventuell schwierigen Kommunikation mit Onlinedruckereien bei fehlendem Know-How haben ihre Ursache in den Kapazitäten der eigenen Ressourcen und Kompetenzen. Wenn man sich in diesen Online-Menüs zurechtfinden möchte, benötigt man in der Regel etwas Print-Fachwissen. Jedoch ist das bei den Webanbietern nicht mal das größte Problem in Sachen Voraussetzungen: falls Sie keinen externen Agentur-Dienstleister unterhalten, der Ihnen das ganze abnimmt, sind Sie auch für die Bereitstellung der Druckdaten verantwortlich. Hier sollte man wissen: Online-Anbieter drucken meistens wie geliefert. Wenn also keine fundamentalen Auffälligkeiten durch automatische Check-Ups zu finden sind (wie z.B. ein falsches Format), dann wird es auch produziert. Eine menschliche Kontrolle gibt es nicht mehr. Man kann in solchen Fällen manchmal eine „Profi-Check-Option“ dazubuchen, jedoch sollte man aufpassen: das klingt zwar ganz hilfreich, ist aber sehr häufig nur eine erweiterte automatisierte Kontrolle – immer noch ohne menschliches Auge. Bei den Locals können Sie sich normalerweise sicher sein, dass die Druckdaten sehr gut und immer von Fachpersonal selbst geprüft werden. Das Risiko ist also deutlich geringer, falls Sie (bzw. Ihr Unternehmen) direkt selbst für die Druckdatenerstellung verantwortlich sind.

Produktionsqualität

Im Laufe meines Berufslebens habe ich bei beiden Anbietertypen wohl hunderte Druckaufträge begleitet und muss sagen, dass die reine Druckqualität (Druckraster, Farbabweichungen, …) mittlerweile, soweit man das übergreifend vergleich kann, etwa gleich ist. Es gibt jedoch einen meiner Meinung nach gravierenden Unterschied bei der Qualität der Weiterverarbeitung (Schneiden, Falzen, …). Das liegt vermutlich daran, dass bei Online-Druckereien unglaublich viele unterschiedliche Aufträge auf einmal verarbeitet werden und nicht jeder Auftrag einzeln abgearbeitet wird. Es kann also durchaus schonmal vorkommen, dass eine Falz zwar nur um 1mm verfehlt wird, das bei entsprechendem Layout (z.B. bei einfarbigen Rändern) aber enorm störend ist. Ein Mitarbeiter einer einfachen Vor-Ort-Druckerei hingegen wird die Falzmaschine möglichst so einstellen, dass sie genau die Kante in Ihrem im Layout (bzw. die Falzmarke) trifft – er hat ja in der Regel auch nur eine Sorte Druckbögen in der Maschine, weswegen das hier überhaupt machbar ist. Eine weitere typische Kleinigkeit von Onlinedruckereien sind Farbflecken bei einigen Druckstücken. Gerade die unteren Druckstücke einer Charge sind davon gerne mal betroffen und sollten immer nochmal besonders kontrolliert werden. Es ist jedoch noch nie wirklich gravierend gewesen, sodass eine hohe Anzahl der Auflage reklamiert werden musste. Man kann also schon auf die Qualität vertrauen, wenn das jeweilige Layout des Druckstücks nicht besonders anfällig für Abweichungen (im Toleranzbereich) ist.

Angebotsvielfalt:

Was früher einmal eine Stärke der Locals war, ist heutzutage bei weitem nicht mehr so. Mittlerweile bieten auch die Onlineabieter ein umfassendes Angebot in der Breite mit Produkten aus den Bereichen Werbetechnik, Digitaldruck, Werbemitteln, Werbetextilien und Co. Die Stärken von lokalen Druckereien liegen mittlerweile eher in der individuellen und innovativen Realisierung von Druckprodukten, sprich beim Einsatz von Sonderfarben, Stanzformen, besonderen Veredelungen und ähnlichen Geschichten. Auch Besonderheiten wie personalisierte Eindrucke sind für sie selten ein Problem. Allerdings muss man bei den Onlineanbietern beachten, dass sich das gewohnt niedrige Preisniveau nicht durch das gesamte Portfolio ziehen muss, und gerade Druckstücke, die nicht im Offset-Druck auf Papier produziert werden (z.B. Roll-Ups, Kleinstauflagen), preislich mit anderen Anbietern verglichen werden sollten.

Reklamation

Da Reklamationen bei Druckproduktionen leider sehr häufig eine Rolle spielen, soll auch dieses Kriterium etwas näher beleuchtet werden. Meiner Erfahrung nach ist besonders der Verhandlungsprozess bei den großen Onlinedruckereien überraschenderweise unkompliziert. Es werden tatsächliche Mängel in der Regel auch sofort akzeptiert und je nach Absprache im Preis reduziert oder gegebenenfalls neugedruckt. Dem Kunden kommt es hier zu Gute, dass große Unternehmen grundsätzlich mehr Spielraum bei Kulanzfällen haben und aus unternehmenspolitischen Gründen mehr Wert auf gute Bewertungen legen – schließlich sind Online-Bewertungen wie fast überall im Internet auch hier ein wichtiger Faktor. Die Locals versuchen hingegen viel massiver, sich gegen Reklamationen zu wehren, wodurch es jedes Mal aufs Neue eine stressvolle Angelegenheit ist. Auch ein „guter Draht“ und persönliche Nähe zum Dienstleister vor Ort muss hier nicht zwangsläufig förderlich sein, sondern kann ganz im Gegenteil den Reklamationsprozess hemmen. Ich muss jedoch dazu sagen, dass natürlich nicht immer alles perfekt bei den Onlinedruckereien war und genauso auch umgekehrt nicht immer alles schlecht bei den Vor-Ort-Druckereien. Es spiegelt nur die grobe Verteilung auf Grundlage meiner Erfahrungen innerhalb der verschiedenen Anbietertypen wider.

Und was ist nun das richtige für mich? – Fazit

Sollten Ihnen also kein externer Dienstleister, beispielsweise eine Werbeagentur, für die Werbeproduktion zur Seite stehen, hängt vieles von Ihren verfügbaren Ressourcen und Know-How ab. Während die Locals auch nicht-standardisierte Druckdaten verarbeiten und immer auf Ihre Möglichkeiten eingehen, oder besser gesagt, diesen entgegenkommen können, ist das bei Online-Druckereien selten der Fall. Hochautomatisierte und -standardisierte Prozesse setzen genaue Vorgaben und Richtlinien voraus, die von Ihnen als Druckdaten-Ersteller penibel befolgt werden müssen. Andernfalls ist das Ergebnis nicht vorhersehbar und es entsteht auch in Bezug auf Reklamationen keine besonders gute Verhandlungsposition (Credo: gedruckt wie geliefert). Sollten Sie jedoch die technischen Anforderungen der Online-Dienstleister inhouse umsetzen können, so bekommen Sie völlig neue Möglichkeiten hinsichtlich Budgetplanung, Vielfältigkeit, Unabhängigkeit und auch Schnelligkeit – denn ein Overnight-Druckservice samt UPS-Expressversand ist heute selbstverständlich und wurden im Laufe meiner Arbeitsjahre wirklich sehr, sehr, sehr häufig in Anspruch genommen. Falls Sie also die strengen Anforderungen erfüllen können, haben Sie die Qual der Wahl und können anhand Ihrer persönlichen Relevanz hinsichtlich Kosten/Kommunikation/Qualität den für Sie passenden Anbieter auswählen.

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